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Am Landgericht Rostock wird seit Ende April 2026 der Mordprozess um den Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow verhandelt. An diesem Mittwoch, dem 13. Mai 2026, steht ein Verhandlungstag im Zeichen besonders sensibler Aussagen: Freunde des getöteten Kindes sollen als Zeugen vernommen werden. Damit rückt nicht nur die Rekonstruktion des Tages, an dem Fabian verschwand, erneut in den Mittelpunkt, sondern auch die Frage, welche Kontakte der Junge zuletzt hatte und welche Beobachtungen in seinem Umfeld gemacht wurden.
Der Fall hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst. Nach dem Verschwinden des Kindes im Oktober 2025 wurde Fabians Leiche wenige Tage später in der Nähe von Klein Upahl gefunden. Angeklagt ist eine 30-jährige Frau, die als ehemalige Partnerin von Fabians Vater gilt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, das Kind heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben. Die bisherigen Prozesstage waren geprägt von emotionalen Momenten, aber auch von juristisch relevanten Konflikten um Aussagen und deren Glaubwürdigkeit.
Ein Prozess mit besonderer Öffentlichkeit
Schon der Auftakt des Verfahrens machte deutlich, dass das Rostocker Gericht mit großem Medien- und Publikumsinteresse rechnet. Verhandelt wird in einem großen Saal, der für umfangreiche Verfahren ausgelegt ist. Die Anklage zeichnet das Bild einer Tat, die nicht spontan, sondern geplant gewesen sein soll. Im Mittelpunkt steht dabei ein mögliches Motiv, das sich aus dem Beziehungsgeflecht zwischen der Angeklagten und Fabians Vater ergeben könnte.
In den vergangenen Verhandlungstagen wurden bereits zentrale Zeugen gehört, darunter Angehörige. Dabei wurde öffentlich, dass die Rolle des Vaters im Verfahren eine besondere Dynamik entwickelt hat. Medienberichte schildern, dass der Vater die Angeklagte teils in Schutz genommen habe und seine Aussagen im Gerichtssaal für Irritationen sorgten. Diese Konstellation erhöht den Druck auf die Beweisaufnahme: Das Gericht muss Aussagen einordnen, die nicht nur sachlich, sondern auch emotional und beziehungsgeschichtlich aufgeladen sind.
Warum die Aussagen von Kindern juristisch so heikel sind
Dass nun Freunde des getöteten Jungen als Zeugen geladen sind, unterstreicht die Bedeutung der letzten Stunden vor dem Verschwinden. Kindliche Zeugen können wichtige Hinweise liefern, etwa zu Verabredungen, Stimmungen, Äußerungen oder Kontakten. Gleichzeitig sind ihre Aussagen besonders schutzbedürftig. In vergleichbaren Konstellationen werden Vernehmungen häufig unter besonderen Bedingungen durchgeführt, beispielsweise mit Ausschluss der Öffentlichkeit oder in einer Form, die das Kindeswohl stärker berücksichtigt.
In Rostock geht es am vierten Verhandlungstag laut aktuellen Berichten darum, zu klären, ob Fabian am Tag seines Verschwindens noch Kontakt zu Freunden hatte und wie sein Tagesablauf verlief. Solche Details sind für die Strafkammer entscheidend, weil sie die Zeitleiste stabilisieren oder verschieben können. Gerade bei komplexen Indizienlagen kann ein scheinbar kleines Detail, etwa ein letzter Chat, ein kurzer Anruf oder eine Beobachtung an einem bestimmten Ort, große Auswirkungen auf die Bewertung der Tatversionen haben.
Der vierte Prozesstag: Rekonstruktion, Zeugen und neue Fragen
Am 13. Mai 2026 soll die Beweisaufnahme nach übereinstimmenden Meldungen mehrerer Medien unter anderem Aussagen aus dem Umfeld des Kindes umfassen. Neben zwei Freunden sind auch weitere Zeugen angekündigt, etwa aus dem schulischen Umfeld. Das deutet darauf hin, dass das Gericht nicht nur die Tatnacht, sondern auch den Alltag des Kindes und mögliche Auffälligkeiten in den Tagen davor in den Blick nimmt.
Parallel dazu steht weiterhin die Frage im Raum, wie belastbar einzelne Aussagen aus dem familiären Umfeld sind. In den aktuellen Berichten wird zudem von einem neuen, brisanten Nebenaspekt gesprochen: Demnach soll die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Fabians Vater wegen des Verdachts einer Falschaussage eingeleitet haben. Sollte sich dieser Verdacht erhärten, hätte das zwar nicht automatisch Auswirkungen auf die Schuldfrage der Angeklagten, könnte aber die Bewertung der bisherigen Aussageinhalte verändern und die Glaubwürdigkeitsprüfung verschärfen.
Der Prozess zeigt damit zwei Ebenen, die sich gegenseitig beeinflussen: Einerseits die nüchterne Rekonstruktion von Zeiten, Wegen und Handlungen, andererseits die psychologische und soziale Dimension eines Umfelds, in dem Loyalitäten, Trennungen, Abhängigkeiten und Schutzbehauptungen eine Rolle spielen könnten. Je stärker diese Ebenen ineinandergreifen, desto wichtiger wird eine präzise, widerspruchsarme Beweisaufnahme.
Was im Zentrum der Anklage steht
Die Staatsanwaltschaft geht nach den bislang bekannt gewordenen Informationen davon aus, dass die Angeklagte Fabian aus der Wohnung gelockt und anschließend getötet haben soll. Als mögliches Motiv wird in aktuellen Zusammenfassungen eine Konstellation beschrieben, in der das Kind als Hindernis für einen „Neuanfang“ im Beziehungsleben des Vaters gesehen worden sein könnte. Solche Motive sind in der strafrechtlichen Bewertung nicht nur für die Einordnung der Tat, sondern auch für das Verständnis von Planung und Beweggrund bedeutsam.
Die Verteidigungsperspektive ist in der laufenden Berichterstattung deutlich weniger detailliert beschrieben als die Anklageversion. Gerade deshalb kommt den Zeugenaussagen und objektiven Spuren besondere Bedeutung zu. Das Gericht muss prüfen, ob Indizienketten geschlossen sind, ob alternative Abläufe denkbar bleiben und ob die Beweise die Anforderungen für eine Verurteilung erfüllen.
Der nächste Schritt im Verfahren
Mit der Vernehmung von Freunden und Personen aus dem schulischen Umfeld nähert sich das Verfahren einem Abschnitt, in dem es weniger um die große Dramaturgie des Falls, sondern um die kleinteilige Plausibilitätsprüfung geht. Wann wurde Fabian zuletzt gesehen, wie war seine Verfassung, welche Wege sind realistisch, welche Kontakte sind belegt, welche Aussagen lassen sich durch andere Beweismittel stützen? Solche Fragen entscheiden häufig darüber, ob ein Verfahren am Ende auf einer stabilen Tatsachengrundlage steht.
Dass Teile der Zeugenvernehmungen bei kindlichen Zeugen nichtöffentlich stattfinden können, ist dabei kein Widerspruch zur Transparenz der Justiz, sondern Ausdruck des gesetzlichen Schutzes. Für die Öffentlichkeit bleibt dennoch relevant, welche Erkenntnisse sich daraus ableiten lassen und ob sie die bisherige Rekonstruktion bestätigen oder neue Widersprüche erzeugen.
Fazit
Der vierte Verhandlungstag im Mordprozess um den getöteten Fabian markiert einen sensiblen Punkt: Aussagen von Kindern und nahen Bezugspersonen können die Zeitleiste präzisieren, aber auch neue Unsicherheiten schaffen. Zugleich verdichten sich die Berichte, dass neben der Hauptanklage weitere Ermittlungsaspekte rund um Aussagen im Gerichtssaal entstanden sind. Für das Landgericht Rostock wird damit die Aufgabe noch anspruchsvoller, aus emotionaler Betroffenheit, widersprüchlichen Loyalitäten und harten Beweisanforderungen ein belastbares Gesamtbild zu formen. Der Verlauf dieses Prozesstages dürfte deshalb maßgeblich beeinflussen, wie klar die letzten Stunden vor Fabians Verschwinden juristisch rekonstruiert werden können.
Quellen
https://www.fr.de/panorama/prozess-im-mordfall-fabian-verfahren-gegen-vater-wegen-falschaussage-eingeleitet-94305084.html
https://www.mv-justiz.de/serviceassistent/_php/download.php?datei_id=1688019





