Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow ist eine Spur entkräftet worden, die zuletzt viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte: Ein sichergestelltes Messer kann nach kriminaltechnischen Untersuchungen als Tatwaffe ausgeschlossen werden. Die Ermittler fanden weder DNA-Spuren des Kindes noch der Angeklagten an dem Gegenstand. Damit rückt erneut die zentrale Frage in den Fokus, auf welche Beweise sich die Anklage stützt – denn die eigentliche Tatwaffe wurde bislang nicht gefunden.
Messerfund untersucht: Keine Verbindung zur Tat
Vor dem Landgericht Rostock wurde bekannt, dass die Untersuchung eines zuvor als mögliches Tatmesser gehandelten Fundstücks abgeschlossen ist. Nach den Ergebnissen des Landeskriminalamts gibt es keine verwertbaren Spuren, die einen Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt belegen würden. Weder DNA des getöteten Jungen noch Spuren der Angeklagten konnten nachgewiesen werden.
Der Messerfund hatte zuvor für Diskussionen gesorgt, weil die Verteidigung auf eine Untersuchung gedrängt und den Umgang der Ermittler mit dem Fund kritisiert hatte. Zwischenzeitlich war öffentlich über einen möglichen Durchbruch spekuliert worden. Diese Erwartung hat sich nun nicht bestätigt.
Tatwaffe weiterhin verschwunden
Mit dem Ausschluss des Messers bleibt die eigentliche Tatwaffe weiterhin unauffindbar. Nach Angaben aus dem Prozess wurden im Verlauf der Ermittlungen bereits mehr als ein Dutzend Messer kriminaltechnisch untersucht. Eine DNA-Forensikerin des Landeskriminalamts erklärte vor Gericht, dass bei keinem dieser Gegenstände menschliches Blut nachgewiesen worden sei.
Für die Ermittler bedeutet das, dass ein zentrales Beweisstück weiterhin fehlt. Die Suche nach der Tatwaffe gilt deshalb nach wie vor als wichtiger Bestandteil der Ermittlungen.
Indizienprozess ohne zentrales Tatwerkzeug
Der aktuelle Stand verdeutlicht die Schwierigkeit des Verfahrens. In Prozessen, in denen die mutmaßliche Tatwaffe fehlt, gewinnen andere Beweismittel zusätzlich an Bedeutung. Dazu zählen DNA-Spuren, Bewegungsdaten, Zeugenaussagen und die Rekonstruktion des mutmaßlichen Tatablaufs.
Einzelne Funde können dabei zeitweise große Aufmerksamkeit erzeugen. Ob sie tatsächlich relevant sind, entscheidet jedoch erst die kriminaltechnische Auswertung. Der nun ausgeschlossene Messerfund zeigt, wie schnell eine viel diskutierte Spur wieder an Bedeutung verlieren kann.
Weitere Spuren und Zeugenaussagen im Fokus
Der Prozess wird derzeit mit weiteren Zeugenaussagen und Gutachten fortgesetzt. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Beobachtungen rund um den mutmaßlichen Tatzeitraum sowie mögliche Wahrnehmungen in der Nähe des späteren Fundorts der Leiche.
Außerdem wurden im Verfahren DNA-Spuren des getöteten Jungen im Fahrzeug der Angeklagten thematisiert. Nach Angaben einer Gutachterin fanden Ermittler unter anderem eine Blutspur auf einem Blatt einer Küchenpapierrolle im Fahrzeug. Über das Alter dieser Spur konnten jedoch keine gesicherten Aussagen getroffen werden.
Daneben beschäftigen sich Gericht und Verfahrensbeteiligte weiterhin mit der Frage, welche Bewegungen das Fahrzeug der Angeklagten am Tattag gemacht haben könnte und welche Rückschlüsse sich daraus auf den Ablauf der Tat ziehen lassen.
Hohe Aufmerksamkeit, wenige eindeutige Antworten
Der Fall wird bundesweit aufmerksam verfolgt. Entsprechend groß ist die öffentliche Wirkung neuer Spuren oder möglicher Beweismittel. Die Entwicklung um das untersuchte Messer zeigt jedoch, dass kriminaltechnische Ermittlungen häufig nicht zu spektakulären Durchbrüchen führen, sondern vor allem dazu dienen, Spuren zu bestätigen oder auszuschließen.
Mit dem negativen Untersuchungsergebnis ist zwar eine mögliche Spur entfallen, gleichzeitig wird die Beweisaufnahme dadurch klarer. Die Ermittler müssen sich weiterhin auf die übrigen Indizien und deren Verknüpfung stützen.
Fazit
Die kriminaltechnische Untersuchung hat bestätigt, dass das zuletzt diskutierte Messer nicht die Tatwaffe im Fall Fabian ist. Damit entfällt eine Spur, die im Prozess zeitweise große Aufmerksamkeit erhalten hatte. Die eigentliche Tatwaffe bleibt verschwunden. Für das Gericht wird deshalb entscheidend sein, ob die Gesamtheit der übrigen Indizien und Spuren ausreicht, um den Tatvorwurf belastbar zu belegen. Der Prozess konzentriert sich damit erneut auf die Auswertung von Zeugenaussagen, DNA-Spuren und weiteren kriminaltechnischen Befunden.
Quellen
t-online: Mordfall Fabian aus Güstrow: Messer gefunden – Ergebnis steht fest
https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/gesellschaft/id_101270304/mordfall-fabian-aus-guestrow-messer-gefunden-ergebnis-steht-fest.html
n-tv (dpa/mv): Mordprozess im Fall Fabian: Keine Spur von der Tatwaffe
https://www.n-tv.de/regionales/mecklenburg-vorpommern/Mordprozess-im-Fall-Fabian-Keine-Spur-von-der-Tatwaffe-id30868069.html
NADR: Mordfall Fabian: Messeranalyse bringt keine neuen Spuren im Prozess von Rostock
https://www.nadr.de/regionales/mordfall-fabian-messeranalyse-bringt-keine-neuen-spuren-im-prozess-von/
https://www.ksta.de/panorama/mordfall-fabian-zeugen-sahen-feuer-und-auto-der-angeklagten-1288535





