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Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow rückt plötzlich eine Person in den Mittelpunkt, die bislang vor allem als zentraler Zeuge galt: der Vater des getöteten Kindes. Am vierten Verhandlungstag am Landgericht Rostock wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet hat. Der Vorwurf lautet auf Falschaussage – ein strafrechtlich schwerwiegender Tatbestand, der Verfahren in dieser Größenordnung zusätzlich auflädt, weil Glaubwürdigkeit und Beweiswürdigung ohnehin zu den empfindlichsten Punkten zählen. Während sich die Hauptverhandlung weiterhin gegen die 30-jährige Angeklagte richtet, eröffnet die neue Entwicklung eine zweite juristische Ebene, die den Prozessverlauf indirekt beeinflussen kann, ohne dass die Verfahren formal miteinander verschmelzen.
Ein Mordprozess mit außergewöhnlicher Dynamik
Vor dem Landgericht Rostock wird seit Ende April 2026 der Fall verhandelt, der Mecklenburg-Vorpommern seit Monaten beschäftigt: Fabian, acht Jahre alt, wurde im Oktober 2025 getötet. Angeklagt ist eine 30-jährige Frau, die als ehemalige Partnerin des Vaters gilt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Mord vor. Nach Darstellung der Ermittler soll sie Fabian unter einem Vorwand aus dem Umfeld seiner Mutter gelockt und ihn anschließend getötet haben. Als mögliches Motiv wird in der Berichterstattung unter anderem ein Beziehungskonflikt rund um den Vater genannt.
Schon in den ersten Verhandlungstagen war deutlich, dass die familiären und partnerschaftlichen Verflechtungen im Prozess eine ungewöhnlich große Rolle spielen. Aussagen aus dem engsten Umfeld – insbesondere die von Mutter und Vater – sind nicht nur emotional aufgeladen, sondern auch für die Rekonstruktion von Abläufen, Kontakten und Motiven bedeutsam. Damit steigt die Bedeutung jeder einzelnen Aussage im Zeugenstand.
Was jetzt gegen den Vater geprüft wird
Nach übereinstimmenden aktuellen Berichten (Stand: innerhalb der letzten zwei Tage) wurde gegen den Vater ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts einer Falschaussage eingeleitet. In diesem Zusammenhang wird betont, dass sich der Vorwurf auf eine oder mehrere Aussagen beziehen soll, die er als Zeuge gemacht hat. Die Einleitung eines solchen Verfahrens bedeutet zunächst nicht, dass die Falschaussage bereits bewiesen ist. Es handelt sich um einen Anfangsverdacht, der von den Ermittlungsbehörden geprüft wird.
Brisant ist die Konstellation vor allem deshalb, weil der Vater im Prozess nicht als Mitangeklagter, sondern als Zeuge auftritt – und damit eine besondere Pflicht zur Wahrheit trifft. Ob es um Widersprüche zwischen früheren Vernehmungen und der Aussage im Gerichtssaal geht, um Details zu Kommunikation, Zeitabläufen oder Beziehungskonstellationen: In einem Mordprozess kann jede Abweichung, jedes Relativieren und jedes Nachschärfen von Erinnerungen eine juristische Kettenreaktion auslösen. Für die Staatsanwaltschaft ist eine mutmaßliche Falschaussage nicht nur eine Frage der strafrechtlichen Einordnung, sondern auch eine Frage der prozessualen Stabilität des Gesamtbildes.
Warum eine Falschaussage im Gerichtssaal so schwer wiegt
Wenn Ermittler oder Gericht den Verdacht haben, dass ein Zeuge bewusst Unwahres sagt oder entscheidende Tatsachen verfälscht, berührt das den Kern der Beweisaufnahme. Das gilt besonders in Verfahren, die stark von Indizien und Zeugenaussagen geprägt sind. Selbst wenn sich eine mögliche Falschaussage nur auf Randaspekte beziehen sollte, kann sie dazu führen, dass weitere Aussagen des Zeugen strenger hinterfragt werden. Damit entsteht im Prozess ein zusätzlicher Prüfungsdruck: Welche Informationen sind belastbar, welche nicht, und welche Motive könnten hinter Abweichungen stehen?
Der Vater als Schlüsselfigur zwischen Nähe, Loyalität und Widerspruch
Die Berichte der letzten Tage zeichnen ein Bild, in dem der Vater im Gerichtssaal nicht nur als Auskunftsperson erscheint, sondern als Akteur, der Position bezieht. So wird dargestellt, dass er die Angeklagte in seiner Aussage teils in Schutz nimmt, Ermittlungsansätze infrage stellt und ein positives Bild von ihr zeichnet. In der öffentlichen Wahrnehmung verschärft das den Konflikt: Auf der einen Seite steht die Erwartung, dass Eltern in einem solchen Verfahren kompromisslos Aufklärung unterstützen; auf der anderen Seite existieren Bindungen, Abhängigkeiten und emotionale Verstrickungen, die Aussagen beeinflussen können, ohne dass dies automatisch eine Straftat bedeutet.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt der Umstand, dass in der Berichterstattung von einer fortbestehenden oder wiederaufgenommenen Beziehung zwischen Vater und Angeklagter die Rede ist. Solche Informationen sind nicht nur für die öffentliche Bewertung relevant, sondern auch für die juristische Einordnung von Aussageverhalten: Nähe kann Loyalität erzeugen, Loyalität kann die Darstellung von Ereignissen färben, und jede Färbung kann – je nach Konkretheit und Vorsatz – in den Verdacht einer Falschaussage münden.
Welche Folgen die Parallelermittlungen für den Mordprozess haben können
Formal bleibt der Mordprozess gegen die Angeklagte ein eigenständiges Verfahren. Ein Ermittlungsverfahren gegen einen Zeugen läuft separat. Dennoch sind Wechselwirkungen möglich. Zum einen kann die Verteidigung versuchen, die Glaubwürdigkeit von Belastungszeugen anzugreifen oder Widersprüche in Ermittlungsakten herauszuarbeiten. Zum anderen kann die Staatsanwaltschaft – wenn sie der Auffassung ist, dass Aussagen gezielt verfälscht werden – stärker auf objektive Spuren, digitale Daten und Indizienketten setzen, um sich weniger abhängig von Zeugenaussagen zu machen.
In aktuellen Berichten wird außerdem darauf hingewiesen, dass ein möglicher späterer Prozess wegen einer Falschaussage – falls es dazu kommt – zeitlich nachgelagert stattfinden könnte. Das entspricht der Logik, dass das Hauptverfahren wegen Mordes Priorität hat und nicht durch Nebenverfahren inhaltlich überlagert werden soll. Gleichzeitig bleibt die Tatsache der Ermittlungen ein Signal: Die Justiz bewertet das Aussagegeschehen als so bedeutsam, dass sie es strafrechtlich prüft.
Ein Verfahren unter maximaler öffentlicher Beobachtung
Der Fall ist seit Monaten Gegenstand intensiver Berichterstattung. Auch die Sicherheits- und Organisationsmaßnahmen rund um die Verhandlungstage werden regelmäßig thematisiert. In dieser Lage wirken neue Entwicklungen wie ein Brandbeschleuniger: Ein Mordprozess, eine Angeklagte, die schweigt, ein Vater, der sich positioniert, und nun zusätzlich der Vorwurf einer Falschaussage gegen eben diesen Zeugen. Das erhöht den Druck auf alle Beteiligten – auch auf das Gericht, das die Beweisaufnahme stringent führen muss, ohne sich von öffentlichen Deutungen treiben zu lassen.
Entscheidend bleibt, dass ein Ermittlungsverfahren kein Urteil ersetzt. Es markiert eine Prüfung, nicht die Feststellung von Schuld. Dennoch verändert es die Perspektive auf bereits Gesagtes: Aussagen werden nicht mehr nur nach Erinnerungsqualität bewertet, sondern auch nach möglichem Vorsatz und möglicher Strategie.
Quellen:
https://www.fr.de/panorama/prozess-im-mordfall-fabian-verfahren-gegen-vater-wegen-falschaussage-eingeleitet-94305084.html





