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Ryanair will am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) deutlich kürzen und die Berliner Basis schließen. Nach Angaben der Airline sollen die bislang am BER stationierten sieben Flugzeuge abgezogen werden; zugleich soll das Flugangebot von und nach Berlin im Winterflugplan um rund die Hälfte sinken. Als Zeitpunkt nennt Ryanair den 24. Oktober 2026. Der Schritt ist Teil eines eskalierenden Streits über Standortkosten, Gebühren und die Luftverkehrspolitik in Deutschland – und trifft ausgerechnet den größten Low-Cost-Standort der Hauptstadtregion in einer Phase, in der andere europäische Märkte um zusätzliche Kapazitäten konkurrieren.
Was Ryanair konkret plant
Ryanair kündigte an, die Basis am BER mit sieben stationierten Flugzeugen zum 24. Oktober 2026 zu schließen. Ab diesem Datum sollen die Maschinen auf andere europäische Standorte verlagert werden. Parallel dazu soll die Airline im Winterflugplan die Zahl ihrer Flüge von und nach Berlin um 50 Prozent reduzieren. Ryanair betont, Berlin werde weiterhin bedient, allerdings dann mit Flugzeugen, die außerhalb Deutschlands stationiert sind.
In der Berichterstattung wird zudem von einer spürbaren Reduzierung des Passagieraufkommens ausgegangen, das Ryanair am BER für 2027 erwartet. Mehrere Medien verweisen in diesem Zusammenhang auf eine Halbierung der von Ryanair beförderten Passagiere in Berlin im Vergleich zu bisherigen Größenordnungen.
Die Begründung: Gebühren, Steuern und „zu hohe Kosten“
Gebührenentwicklung am BER als unmittelbarer Auslöser
Ryanair führt die Entscheidung vor allem auf die Kosten am Standort BER zurück. Aus Sicht der Airline verschärft eine angekündigte Gebührenerhöhung des Flughafens für die Jahre 2027 bis 2029 die Wirtschaftlichkeit vieler Verbindungen. In diesem Kontext ist in aktuellen Berichten von einer erneuten Anhebung um zehn Prozent die Rede, die Ryanair als nicht tragfähig bewertet.
Deutschland als „High-Cost“-Markt im europäischen Wettbewerb
Neben den BER-Entgelten verweist Ryanair auf die generellen Standortkosten in Deutschland, insbesondere auf staatliche Abgaben und die Luftverkehrsteuer. Der Konzern stellt den Schritt in Berlin in einen größeren Rahmen: Während Ryanair in mehreren europäischen Ländern Kapazitäten ausbaut, würden hohe Steuern und Gebühren in Deutschland dazu führen, dass Wachstum eher an andere Standorte verlagert werde. In einzelnen Berichten wird in diesem Zusammenhang auch auf politische Pläne verwiesen, die Luftverkehrsteuer zu senken; Ryanair stellt jedoch infrage, ob dies ausreicht, um die Kostenlücke im Wettbewerb zu schließen.
Reaktionen: Widerspruch vom Flughafen und politische Dimension
Die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) weist die Vorwürfe in Teilen zurück. In der aktuellen Berichterstattung wird der Konflikt als Gebührenstreit beschrieben, bei dem Ryanair die Verantwortung für den Rückzug klar beim Flughafen und bei der nationalen Luftverkehrpolitik verortet, während der BER auf eigene Kostenstrukturen und Rahmenbedingungen verweist.
Der Vorgang hat damit auch eine politische Ebene: Die Frage, wie wettbewerbsfähig der Luftverkehrsstandort Deutschland im Vergleich zu Nachbarländern ist, wird seit Jahren diskutiert. Ryanair nutzt die Berliner Ankündigung sichtbar als Signal in dieser Debatte und koppelt operative Entscheidungen an steuer- und gebührenpolitische Forderungen.
Folgen für den BER und den Berliner Markt
Weniger Kapazität im Winter – und Lücken im Streckennetz
Eine Halbierung des Angebots im Winterflugplan bedeutet nicht nur weniger Frequenzen, sondern kann auch einzelne Routen betreffen. Mehrere Berichte sprechen davon, dass im Zuge der Maßnahme Verbindungen wegfallen und Kapazitäten auf andere Länder verlagert werden sollen. Damit drohen insbesondere im preisgetriebenen Segment Lücken, die nicht automatisch durch andere Airlines geschlossen werden, weil die Entscheidung über Ersatzkapazitäten von deren Flottenplanung, Slot-Strategie und Kostenkalkulation abhängt.
Preis- und Wettbewerbseffekte
Wenn ein großer Anbieter im Low-Cost-Segment Kapazität reduziert, kann dies den Wettbewerbsdruck auf verbleibenden Strecken senken. In der Folge sind – je nach Auslastung und Konkurrenz – steigende Durchschnittspreise möglich, vor allem dort, wo Alternativen fehlen oder andere Anbieter ihre Kapazitäten nicht kurzfristig ausweiten. Gleichzeitig könnte der Rückzug aber auch Chancen für Wettbewerber eröffnen, frei werdende Nachfrage zu bedienen, sofern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als attraktiv bewertet werden.
Standort- und Beschäftigungseffekte
Die Schließung einer Basis hat typischerweise Auswirkungen auf lokale Abläufe, Dienstleister und Beschäftigung rund um stationierte Flugzeuge, etwa in den Bereichen Crew-Planung, Handling und Wartungskoordination. In internationalen Berichten wird die Berliner Entscheidung entsprechend auch als Einschnitt mit spürbaren lokalen Effekten eingeordnet. Wie stark diese ausfallen, hängt davon ab, in welchem Umfang Ryanair weiterhin Flüge mit externer Stationierung durchführt und ob andere Airlines Kapazität nachschieben.
Ein Schritt mit Signalwirkung über Berlin hinaus
Ryanairs Entscheidung reiht sich in eine Serie von Standortdebatten ein, in denen Low-Cost-Carrier mit Verweis auf Steuern und Gebühren Kapazitäten verlagern. Die Berliner Ankündigung ist dabei besonders sichtbar, weil der BER als zentrale Drehscheibe der Hauptstadtregion gilt und Ryanair dort bislang eine starke Rolle im europäischen Punkt-zu-Punkt-Verkehr spielte. Zugleich zeigt der Vorgang, wie stark die Airline-Planung inzwischen auf kurzfristig skalierbare Flottenverschiebungen setzt: Flugzeuge werden dorthin verlagert, wo die Erlöse im Verhältnis zu Gebühren und Steuern höher ausfallen.
Quellen
https://www.tagesspiegel.de/berlin/50-prozent-weniger-fluge-von-und-nach-berlin-ryanair-zieht-sich-wegen-hoher-kosten-vom-ber-zuruck-15518636.html
https://www.airliners.de/ryanair-kuerzt-berliner-flugprogramm-haelfte-schliesst-ber-basis/87374
https://berlin.t-online.de/region/berlin/id_101227724/flughafen-ber-ryanair-kuerzt-fluege-von-berlin-aus-massiv-ein.html
https://www.aerotime.aero/articles/ryanair-closes-berlin-base-blames-high-costs-and-charge-increases





