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Schleswig-Holstein steht bei der Wärmewende unter besonderem Druck. Das Land hat sich gesetzlich auf Klimaneutralität bis 2040 festgelegt, doch die Wärmeversorgung gilt als einer der schwierigsten Brocken auf diesem Weg. Während in Städten Wärmenetze ausgebaut und schrittweise dekarbonisiert werden, bleiben in vielen Regionen die Optionen begrenzt. Ausgerechnet die beiden Hoffnungsträger, die in politischen Debatten oft als pragmatische Brücken gelten, stoßen dabei an Grenzen: Biogas ist knapp, und Fernwärme lässt sich nicht überall wirtschaftlich verlegen. Die kommunale Wärmeplanung soll Ordnung in diese Gemengelage bringen, doch die Umsetzung wirft neue Fragen auf – von der Finanzierung über die technische Machbarkeit bis zur sozialen Balance.
Warum der Wärmesektor zum Engpass wird
Die Wärmenachfrage in Gebäuden entscheidet maßgeblich darüber, ob Klimaziele erreichbar sind. Schleswig-Holstein hat zwar gute Voraussetzungen bei erneuerbarem Strom, doch Wärme folgt anderen Regeln: Sie muss lokal verfügbar sein, saisonale Spitzen abdecken und in Bestandsgebäuden funktionieren, die häufig nicht für niedrige Vorlauftemperaturen ausgelegt sind. Gleichzeitig bleibt der Gebäudebestand heterogen: Altbauten in Innenstädten, Nachkriegsquartiere, Einfamilienhäuser im ländlichen Raum und verstreute Höfe verlangen jeweils unterschiedliche Lösungen.
In der Praxis führt das dazu, dass ein einheitlicher Königsweg ausbleibt. Fernwärme kann in dicht bebauten Gebieten sehr effizient sein, scheitert jedoch oft an der Wirtschaftlichkeit, sobald Leitungen über weite Strecken zu wenigen Abnehmern gelegt werden müssten. Biogas wiederum kann fossiles Erdgas ersetzen, ist aber ein begrenzter Rohstoff, der zudem mit anderen Sektoren konkurriert.
Fernwärme: Schlüsseltechnologie mit räumlichen Grenzen
Fernwärme gilt als zentraler Baustein der Wärmewende, weil die Erzeugung umgestellt werden kann, ohne dass in jedem Gebäude eine komplett neue Wärmeerzeugung installiert werden muss. Netze lassen sich perspektivisch mit Großwärmepumpen, industrieller Abwärme, Geothermie oder nachhaltiger Biomasse speisen. Genau hier liegt die strategische Bedeutung: Einmal gebaut, kann ein Wärmenetz über Jahrzehnte Schritt für Schritt klimafreundlicher werden.
Allerdings ist der Netzausbau kapitalintensiv und langsam. Planung, Genehmigungen, Tiefbau und die Umrüstung von Hausanschlüssen benötigen Zeit. Zudem wird vielerorts sichtbar, dass die eigentliche Herausforderung nicht nur der Ausbau, sondern die Dekarbonisierung bestehender Netze ist. Viele Wärmenetze hängen heute noch an Erdgas oder anderen fossilen Quellen. Die Bundesvorgaben zur Dekarbonisierung setzen zwar einen Rahmen, doch die konkrete Umstellung hängt von lokalen Potenzialen ab: Gibt es Abwärmequellen, geeignete Gewässer für Großwärmepumpen, Flächen für Solarthermie oder Biomasse, die nachhaltig verfügbar ist?
Hinzu kommt, dass Fernwärme nicht automatisch klimaneutral ist. Sie wird es erst, wenn die Erzeugung konsequent umgestellt wird. Damit wird Fernwärme zu einer Infrastrukturfrage: Wo sind Netze sinnvoll, und wo müssen Gebäude dezentral versorgt werden?
Biogas und Biomethan: begrenzt, wertvoll, umkämpft
Biogas und aufbereitetes Biomethan erscheinen attraktiv, weil sie in bestehende Gasinfrastrukturen passen und in bestimmten Anwendungen flexibel sind. In der Wärmewende werden sie oft als Option für Quartiere genannt, in denen Wärmepumpen schwierig sind oder Netze nicht kommen. Doch genau diese Erwartung stößt auf die Realität knapper Mengen.
Biomethan ist nicht beliebig skalierbar: Es hängt von nachhaltigen Substraten, Flächenkonkurrenzen und Akzeptanz ab. Außerdem konkurrieren Wärmeversorgung, Stromerzeugung, Industrie und perspektivisch auch der Verkehrssektor um dieselben Moleküle. Selbst wenn die Produktion steigt, bleibt die zentrale Frage der Priorisierung. In vielen Szenarien wird Biomethan eher dort gesehen, wo direkte Elektrifizierung besonders schwierig ist oder wo es als Spitzenlast- und Reserveoption gebraucht wird.
Für Schleswig-Holstein bedeutet das: Biogas kann ein wichtiger Teil des Mix sein, aber nicht die flächendeckende Antwort. Je stärker die Wärmeplanung voranschreitet, desto deutlicher wird, dass Biogas nur punktuell Lücken schließen kann.
Kommunale Wärmeplanung: Landkarte für Entscheidungen, nicht die Lösung selbst
Die kommunale Wärmeplanung soll systematisch klären, welche Gebiete künftig für Wärmenetze geeignet sind, wo dezentrale Lösungen dominieren und welche Infrastrukturinvestitionen Priorität haben. Schleswig-Holstein ist hier vergleichsweise früh dran, weil Wärmeplanung im Land bereits umgesetzt wird und vom Land begleitet wird. Dennoch zeigt sich bundesweit ein gemischtes Bild: Planung ist vielerorts im Gang, doch die Umsetzung stockt häufig an Finanzierung, Personal und Projektkapazitäten.
Wärmepläne schaffen Orientierung, aber sie ersetzen nicht die Investitionen. Sobald ein Gebiet als voraussichtliches Wärmenetzgebiet ausgewiesen wird, steigen Erwartungen an Anschlussmöglichkeiten, Zeitpläne und Preise. Gleichzeitig müssen Kommunen vermeiden, Versprechen abzugeben, die sich später technisch oder wirtschaftlich nicht halten lassen. Genau in dieser Spannung entsteht der Eindruck, Fernwärme und Biogas würden “nicht für alle reichen”: Nicht weil sie nutzlos wären, sondern weil sie strukturell nicht überall passen und nicht in unbegrenztem Maß verfügbar sind.
Welche Alternativen realistisch werden
Wo weder Fernwärme noch Biogas in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen, rücken andere Optionen in den Mittelpunkt. Wärmepumpen werden in vielen Fällen zur Standardlösung, insbesondere in Kombination mit Sanierungsschritten, hydraulischem Abgleich und größer dimensionierten Heizflächen. In bestimmten Gebäuden können hybride Systeme eine Rolle spielen, etwa Wärmepumpe plus Spitzenlastkessel, wenn die volle Elektrifizierung kurzfristig nicht möglich ist.
In einzelnen Regionen kann auch tiefe oder mitteltiefe Geothermie eine Perspektive bieten, ebenso Großwärmepumpen an Gewässern oder die Nutzung industrieller Abwärme. Doch all diese Optionen benötigen lokale Eignung und oft ebenfalls Netzinfrastruktur. Damit verfestigt sich eine Erkenntnis: Klimaneutrales Heizen wird in Schleswig-Holstein weniger eine einzelne Technologiefrage als ein koordiniertes Infrastruktur- und Effizienzprojekt.
Fazit
Die Wärmewende in Schleswig-Holstein läuft auf ein differenziertes Zielbild hinaus: Fernwärme wird dort wachsen, wo Dichte und Potenziale stimmen, aber sie bleibt räumlich begrenzt. Biogas und Biomethan sind wertvolle Bausteine, jedoch nicht in Mengen verfügbar, die eine flächendeckende Versorgung tragen könnten. Die kommunale Wärmeplanung macht diese Grenzen sichtbar und zwingt zu Prioritäten. Klimaneutralität bis 2040 wird damit nicht an einem Mangel an Ideen scheitern, sondern an der Fähigkeit, Planung in Investitionen, Netze, Sanierung und verlässliche Rahmenbedingungen zu übersetzen.
Quellen
https://www.zfk.de/wirtschaft/energie/waermewende/waermewende-vor-ort-planung-laeuft-umsetzung-stockt
https://www.schleswig-holstein.de/DE/fachinhalte/E/energiewende/waerme.html
https://www.bmwsb.bund.de/DE/stadtentwicklung/klimagerechte-stadtentwicklung/kommunale-waermeplanung/kommunale-waermeplanung_node.html
https://www.bdew.de/media/documents/BDEW_Heizungsmarkt_2023_Regionalbericht_Schleswig-Holstein_20250410_vXkGgSR.pdf




